Auf dem Ball von Berthe Morisot

Auf dem Ball

Das Beste, was die reizenden Morisot-Töchter für die Kunst tun könnten, sei, ein Mitglied der Akademie für Schöne Künste zu heiraten“, spottet Édouard Manet einst. Berthe Morisot kennt der Museumsgänger vor allem von Manets Bildern. Der Maler verewigt ihr Gesicht mit den markanten Augenbrauen und dem etwas trotzigen Blick unter anderem in seinen Werken „Berthe Morisot mit Veilchenstrauß“ oder „Der Balkon“, die beide im Musée d’Orsay in Paris begutachtet werden können. Dass es sich bei Berthe Morisot selbst um eine erfolgreiche Künstlerin handelt, ist hingegen nicht ganz so geläufig, obwohl sie ihren männlichen Kollegen an Technik und Stil in nichts nach steht. Die Kunstkritiker ihrer Zeit vernachlässigen Morisot dennoch sträflich, schließlich gehört eine ehrbare Frau im 19. Jahrhundert auch ins Haus zu ihren Kindern und nicht an die Staffelei.

Ich glaube nicht, dass es jemals einen Mann gegeben hat, der eine Frau als absolut gleichgestellt behandelt hat, und das war alles, was ich immer verlangt habe – denn ich weiß, ich bin genauso gut wie die Männer.

Berthe Morisot

Gemeinsam mit Mary Cassatt und Marie Braquemond bildet Berthe Morisot das Dreigestirn der Pariser Avantgarde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Da Frauen nicht zum Studium zugelassen sind, müssen sie ihr Talent im Privat-Unterricht zurechtfeilen. Zunächst malt Morisot Landschaften, später möchte die Künstlerin etwas einfangen, das geschieht. Sie beobachtet ihre Familienmitglieder und auch die weiblichen Bediensteten. Die meisten der Frauen, die sie portraitiert, arbeiten in ihrem Haushalt. Auch Ballmotive, wie sie im 19. Jahrhundert üblich sind, gehören zu Morisots Repertoire. Die dunkelhaarige Frau in „Auf dem Ball“ scheint sich unbeobachtet zu fühlen. Gedankenverloren schweift ihr Blick über den Bildrand hinaus.

Berthe Morisot erblickt das Licht der Welt am 14. Januar 1841 in Bourges. Ihr Vater ist ein wohlhabender Beamter. 1852 zieht die Familie nach Paris um, wo Berthe gemeinsam mit ihrer Schwester Edma Zeichenunterricht erhält. Die Freilichtmalerei lernen beide von Camille Corot. 1867 lernt Berthe Manet kennen, eine enge Freundschaft entsteht. In dieser Zeit wendet sich die Malerin alltägliche Szenen und der Portraitmalerei zu.

Sie heiratet 1874 Manets Bruder Eugène und stellt gemeinsam mit ihrem impressionistischen Freundeskreis, zu dem auch Degas, Monet und Renoir gehören, regelmäßig ihre Werke aus. Auf einer gemeinsamen Auktion mit Renoir, Monet und Sisley erzielen Berthes Gemälde einen höheren Wert, als die ihrer männlichen Kollegen. „Nie vollendet Fräulein Morisot ein Bild. […]. Aber wenn sie mit der ganzen Skala heller Farben spielt, findet sie extrem feine Grauwerte und Pinks von delikater Blässe“, urteilt der Kunsthistoriker Paul Mantz. Ihre erste Einzelausstellung findet 1892 statt und schlägt bei den Besuchern ein wie eine Bombe. Drei Jahre später stirbt Berthe Morisot in Paris an einer Lungenentzündung. Sie gilt als Wegbereiterin der Moderne und hat denselben für nachfolgende Künstlerinnen geebnet.

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