Die Suffragette Emily Davison

Emily Davison

Die Suffragette Emily Davison stürtzt sich 1913 beim Epson Derby vor das Rennpferd des Königs und wird so zur ersten Märtyrerin für die Frauenbewegung. Ob sie ihren Tod wirklich geplant hatte, oder ob sie versehentlich unter die Hufe gerät, als sie dem Pferd eine Protest-Plakette anheften möchte, bleibt Spekulation.

Taten statt Worte

Emily Davison wird 1872 in London geboren. Für Frauen, die eigenmächtig denken, hat die Welt zu diesem Zeitpunkt sehr wenig zu bieten. Mit 13 besucht das hochbegabte Mädchen die High School, mit 19 beginnt sie ein Literaturstudium. Später geht sie nach Oxford und schließt die Fächer Literatur, Biologie und Chemie mit Auszeichnung ab. Ein akademischer Grad bleibt ihr trotzdem verwehrt, wie all ihren weiblichen Kommilitonen.

1906 schließt sie sich in Epsom der Women’s Social Political Union an und beteiligt sich an diversen Aktivitäten zur Erlangung des Frauenwahlrechts. Frauen stehen zu dieser Zeit vor dem Gesetz auf einer Stufe mit „Minderjährigen, geistig Behinderten und Kriminellen“, die ebenfalls kein Wahlrecht besitzen.

Nachdem zahlreiche Petitionen und eingereichte Gesetzesentwürfe immer wieder abgelehnt werden, entscheiden sich die britischen Suffragetten für eine härtere Gangart. Unter dem Motto „deeds, not words“ – Taten statt Worte – legen sie Brände, attackieren Politiker und zertrümmern Schaufenster. Davison wird dabei acht Mal inhaftiert, unter anderem wegen Steinewerfen, Vandalismus und Körperverletzung. Im Gefängnis haben es die Frauen schwer, wie Hunderte ihrer Mitinhaftierten tritt die willensstarke Emily in den Hungerstreik. Um gegen die Haftbedingungen für die Suffragetten zu protestieren, stürzt sie sich sogar von einer Gefängnis-Galerie und überlebt nur knapp.

Die Rennbahn wird ihre letzte Arena

Als sich Emily Davison am 4. Juni 1913 dem Rennpferd des Königs in den Weg stellt, wählt sie für diese Aktion die Tattenham Corner. King George V. und Queen Mary haben von ihrem Balkon aus direkte Sicht auf diese Kurve der Galopprennbahn. Nach dem brutalen Zusammenstoß mit dem Pferd wacht die Suffragette nicht mehr auf und stirbt am 8. Juni im Epsom Cottage Hospital. Es soll noch weitere 15 Jahre dauern, bis die Britinnen 1928 endlich das Wahlrecht erhalten.

In der Tattenham Corner erinnert seit 2013 eine Tafel an Emily Davisons „lebenslange Hingabe an den Kampf um das Frauenwahlrecht“ und „den Beitrag, den sie für das Leben der britischen Frauen in Vergangenheit und Gegenwart geleistet hat“. Die Initiative „Emily Inspires!“ hält zudem ihr Vermächtnis am Leben. Seit 2015 gibt der Film „Suffragettemit Carey Mulligan und Meryl Streep in den Hauptrollen einen Einblick in die Anfänge der Frauenbewegung. Emily Davison wird in dem Film von Natalie Press verkörpert.

Zu viele Männer wie auch leider immer noch zu viele Frauen – so unfassbar es klingt –, verbinden mit dem Wort Feminismus etwas negatives. Ich für meinen Teil danke all den mutigen Frauen wie Emily Davison, die sich damals wie heute überall auf der Welt vehement für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen einsetzen. Ich glaube einigen Menschen ist überhaupt nicht bewusst, dass wir ohne deren Einsatz viele Freiheiten überhaupt nicht genießen dürften. Und der Kampf ist bekanntermaßen noch nicht vorbei…

emily davison by ninscha törtl/ninschart/acryl auf leinwand/80cmx140cm

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