Portrait von Oskar Maria Graf in Acryl

Oskar Maria Graf

Oskar Maria Graf kann wohl ohne Übertreibung als das bezeichnet werden, was der Bayer liebevoll einen Sturschädel nennt. Aufgewachsen ist der hemdsärmelige Schriftsteller in Berg am Starnberger See, wo er am 22. Juli 1894 als neuntes von elf Kindern diese Welt betritt.

Bereits mit 17 Jahren versucht er in München Verlage und Redaktionen auf seine Texte aufmerksam zu machen. Wir schreiben das Jahr 1911, Roald Amundsen erreicht als erster Mensch den Südpol, die politische Stimmung in Europa ist aufgrund der Zweiten Marokkokrise mehr als angespannt. In Bayerns Hauptstadt knüpft Graf erste Kontakte zu anarchistischen Kreisen. Ein Jahr später erscheinen auch seine ersten politischen Aufsätze. Sein ganzes Leben lang wird er wie ein Felsen hinter seinen Idealen und Überzeugungen stehen und diese mit ebenso fester Stimme verteidigen.

Graf ist eng mit dem Maler Georg Schrimpf befreundet, der ihn auch in einem wundervollen Portrait verewigt. 1912/13 bereisen die beiden Freunde Italien und leben dort zeitweise in einer Anarchistenkolonie.

Am 1. Dezember 1914 wird Graf zum Kriegsdienst eingezogen. Nachdem er sich mehrmals weigert Befehle auszuführen, verurteilt ihn ein Kriegsgericht 1915 zu einer Gefängnisstrafe. Dort lehnt er es ab zu essen und zu sprechen. Als kriegstraumatisiert eingestuft verlegt man ihn schließlich nach Haar in die Irrenanstalt. Weitere Haftaufenthalte folgen wie beispielsweise 1918 wegen Beteiligung am Munitionsarbeiterstreik. Aus seiner starken Abneigung für die Anhänger der nach dem Krieg an Boden gewinnenden Nationalsozialisten macht er nie einen Hehl.

In den Zwanziger Jahren arbeitet er als Dramaturg für das Münchner Arbeitertheater „Neue Bühne“, wo er Bertolt Brecht kennenlernt. In den kommenden Jahren veröffentlicht er als mittlerweile anerkannter Schriftsteller Romane und Erzählungen. Man muss Oskar Maria Graf schon allein für Bilder wie „Griesgrämig griff die massige, verfaltete Stirne von einer Schläfenbucht zur andern“ (aus „Zwölf Jahre Zuchthaus“) lieben.

1933 tritt er in Wien der Vereinigung sozialistischer Schriftsteller bei. Hier beginnt auch sein Exil. Als Graf zu Ohren kommt, dass sein Frühwerk nicht der nationalsozialistischen Bücherverbrennung am 10. Mai zum Opfer fällt, sondern einige seiner Schriften sogar das Prädikat empfehlenswert bekommen, verfasst er in der Wiener Arbeiter-Zeitung den Artikel „Verbrennt mich!“, in welchem er schreibt: „Nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbande gelangen. Verbrennt die Werke des deutschen Geistes! Er selber wird unauslöschlich sein wie eure Schmach!“ Graf kehrt nicht mehr nach Deutschland zurück.

Am 29. März 1934 veröffentlicht der Deutsche Reichsanzeiger die zweite Ausbürgerungsliste des Deustchen Reiches. Auch der Name Oskar Maria Graf ist darauf zu lesen. Mit seiner Frau Mirjam Sachs flieht er 1938 in die USA und lässt sich in New York nieder. Dort gründet er einen Bayerischen Stammtisch. Graf verkehrt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten hauptsächlich mit deutschsprachigen Mitmenschen, denn er lernt nie richtig Englisch. „Die wahre Heimat ist die Sprache, wenn man die Sprache verlässt, dann verlässt man die Heimat“, glaubt er. Und wenigstens seine sprachliche Heimat will Graf sein Leben lang nicht verlassen müssen – die USA allerdings auch nicht mehr.

Im New Yorker Exil entsteht sein Hauptwerk und eines meiner absoluten Lieblingsbücher: „Das Leben meiner Mutter“. Die Biographie, die gespickt ist mit historischen Details, führt den Leser neben anderen Schauplätzen vor allem nach Berg an den Starnberger See. Wer heute einen Ausflug in den Ort macht,  kann auf den Spuren von Oskar Maria Graf wandeln. Am besten flaniert es sich gekleidet wie der Autor selbst, der am liebsten in Lederhosen unterwegs war. Einige Anhaltspunkte, wie sein Geburtshaus, sind auch noch vorhanden. Seinen Schreibtisch aus dem New Yorker Exil kann man übrigens in der Monacensia in München besuchen.

Am 28. Juni 1967 stirbt Oskar Maria Graf in New York. Seine Asche wird ein Jahr später auf dem Bogenhausener Friedhof in München beigesetzt.

oskar maria graf by ninscha törtl/ninschart/acryl auf leinwand/50cmx70cm

 

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